Wem hilft eigentlich das Bestellerprinzip?

Im Zuge der Besprechungen des Vertrages, mit dem die neuen Regierungsparteien, die Christlich – Demokratische und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ihre Pläne
für die nächsten vier Jahre ihrer Zusammenarbeit festgelegt haben, wurde das ” Bestellerprinzip ” für die Entlohnung des Maklers für die erfolgreiche Vermittlung eines Wohnraummietvertrages festgeschrieben.

Was heißt das?

Bisher und schon seit vielen Jahren ist die Entlohnung des Maklers für die Vermittlung von frei finanziertem Wohnraum” gedeckelt ” – maximal zwei Nettokaltmieten kann er für seine erfolgreiche Tätigkeit berechnen – mehr ist nicht zulässig.

Über die Möglichkeit und Verteilung der Berechnung entschied bisher der Markt: Soll heißen, in stark nachgefragten Lagen, in denen es schwierig bis nahezu unmöglich ist, passenden Wohnraum zu finden, zahlt der Mieter gern zwei Kaltmieten, wenn er vom Makler dann doch
die gewünschte Wohnung vermittelt bekommt.

Umgekehrt zahlt der Eigentümer von Wohnraum in Lagen mit geringer Nachfrage gern zwei Kaltmieten, wenn es dem Makler gelingt, einen zuverlässigen Mieter für seine Immobilie zu finden.

Eine weitere Variante der möglichen Aufteilung der Courtage wird in Durchschnittslagen praktiziert: Mieter und Vermieter zahlen jeweils eine Kaltmiete für die Arbeit des Maklers.

Bisher hat dieser Markt als Teilmarkt unserer Marktwirtschaft ohne Einflussnahme der Politik funktioniert.

Zur Klarstellung: Die Marktteilnehmer können nur über den aktuellen Wohnraumbestand verfügen, sie schaffen keinen neuen Bestand, sie können die Mietpreise nicht willkürlich festlegen. Das geschieht im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Mietpreisspiegel, deren Erstellung eine gesetzliche Verpflichtung der Städte und Gemeinden ist.

Die ausschließliche Verlagerung der Vermietungskosten auf den Vermieter ist eine dirigistische Maßnahme, die auf keinen Fall den gewünschten Effekt haben wird.

Der Vermieter, der bisher schon allein gezahlt hat, wird weiter allein zahlen. Der Vermieter, der bisher die Hälfte gezahlt hat, wird als Vollzahler noch strikter darauf achten, dass nur sehr sorgfältig ausgewählte, überprüfte Mieter zum Zuge kommen. Die zusätzlichen Kosten werden seine Zugeständnis – Bereitschaft erheblich dämpfen – er muss sie irgendwo wieder hereinholen.

Der Vermieter nun, der bisher noch nichts gezahlt hat, weil die Mieter seine Wohnung toll fanden und unbedingt haben wollten, wird den Mietpreis erhöhen und sich so sein Geld sichern.

Also – nichts gewonnen – für keinen.

Denn im Endeffekt wird nicht eine Wohnung mehr gebaut und vermietet werden können, und die vorhandenen werden im Zustand dadurch nicht besser, da das Geld des Vermieters für andere Zwecke aufgewendet werden muss.

Das Besteller Prinzip wurde von Politikern erdacht, die davon ausgehen, dass allein der Besteller, nach deren Auffassung der Vermieter,  von der Tätigkeit des Maklers profitiert.

Das trifft nicht zu. Die Aufgabe des Maklers besteht vielmehr darin, beide Seiten, den Mieter und den Vermieter, umfassend zu beraten und darauf zu achten, dass die Beachtung der Wünsche und Rechte der Vertragsparteien durch den Mietvertrag gewährleistet wird.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Kartheuser


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