Rattenjäger im Revier Immobilien-Experte äußert sich zu einem nicht besonders appetitlichem Thema

Ein nicht besonders appetitliches Thema – zugegeben – aber es verlangt dringend nach einer Lösung. Schon allein deswegen ist große Eile geboten, weil diese Spezies eine beinahe unglaubliche Reproduktionsgeschwindigkeit hat: Wenn alles gut läuft, kann ein Rattenpärchen Tausende Nachkommen pro Jahr haben.

Ratten sind sogenannte Kulturfolger und sind demzufolge überall dort anzutreffen, wo sich Menschen ansiedeln. Sie haben gelernt, dass es sehr komfortabel ist, in der Nähe des Menschen zu leben. Sie leben dort von den Pflanzen, Vorräten und Abfällen, die wir Menschen produzieren. Dazu gehören in erheblichem Maße über das Abwassernetz entsorgte Lebensmittel beziehungsweise rattenverträgliche Stoffe. (Natürlich ist bekannt, dass diese Form der Entsorgung verboten ist – trotzdem geschieht es sehr häufig!)

Ganz wichtig ist daher, Müllgefäße geschlossen zu halten, keine gelben Säcke im Freien zu lagern und Sperrgut nicht auf dem Grundstück lagern (Ideales Versteck für die Schädlinge). Komposthaufen sollten auf jeden Fall nicht zur Nahrungsresteentsorgung verwendet werden. Bei Rattenbefall sofort umsetzen und an anderer Stelle einen neuen Komposthaufen anlegen und mit engmaschigem Gitter vor erneutem Befall schützen. Ratten verursachen riesige Schäden, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in Städten und Gebäuden und an Versorgungs- sowie Entsorgungseinrichtungen.

Ratten fressen nicht nur Unmengen an Getreide und Pflanzen, sondern verderben das, was sie nicht fressen durch ihren Kontakt durch ihre Verseuchung mit Krankheitskeimen. Sie verbreiten zum Teil tödliche Krankheiten wie die WeilKrankheit, aber auch Nematoden und anderen fiesen Kram.

Der Gesetzgeber hat die Verantwortlichkeiten für die Bekämpfung der Plage klar geregelt: Den öffentlichen Raum müssen die Kommunen möglichst rattenfrei halten – private Grundstücke müssen durch den jeweiligen Eigentümer versorgt werden. Jeder Betreiber eines Kanalnetzes ist dazu verpflichtet, den Rattenbesatz in seinem Netz zu überwachen. Er wird diese Verpflichtung schon im eigenen Interesse sehr ernst nehmen, zerstören doch Ratten Teile des Netzes (Dichtungen) und gefährden durch Tunnelbauten die Funktionsfähigkeit.

Der Kreis Mettmann hatte nun bisher externe Firmen mit der Aufgabe betraut. Diese Lösung wird nicht fortgesetzt werden, sodass der Kreis und die Städte im Kreis ihre Verantwortung wieder selbst übernehmen werden. In Velbert zum Beispiel werden bereits drei Mitarbeiter der Technischen Betriebe als „Rattenjäger“ ausgebildet, um die zeitverzugslose Bejagung der Viecher gewährleisten zu können.

Bisher hatten die beauftragten Unternehmen mit einer sogenannten Grundbelegung der 24.000 Kanalschächte des Kreises dafür sorgen wollen, dass die Anzahl der Schädlinge nicht überhand nimmt. Unter Grundbelegung wird dabei die Bestückung der Kanalschächte mit Ködern verstanden. Diese Methode ist mit erheblichen Nachteilen verbunden: Die Gifte in den Ködern können ins Wassernetz geraten – entweder direkt oder indirekt durch den vergifteten Kadaver des verendeten Tieres.

Alternativ ist möglich, Ratten durch Kontakt mit gerinnungshemmenden Stoffen (Cumarin etc.) am Weiterleben zu hindern. Auch Lebendfallen kommen zum Einsatz. Diese haben den Vorteil, dass der Erfolg der Maßnahme kontrolliert werden kann. Da Ratten aber sehr klug und lernfähig sind, sind alle Versuche immer nur mit Teilerfolgen verbunden.

Wie kann sich nun der private Grundstückseigentümer der Plage erwehren? Die schon geschilderten Methoden stehen zur Wahl – viel wichtiger aber ist die Vorsorge. Es gilt zu erreichen, das Nahrungsangebot und dessen Zugänglichkeit für die Schädlinge so klein wie möglich zu gestalten. Das Lagern von möglichem Rattenfutter darf nur in den Nagern nicht zugänglichen Behältern und Gebäuden erfolgen. Sichern und überwachen Sie alle Gebäudeöffnungen so wirkungsvoll, dass sich nicht einer dieser Nager in Ihr Gebäude zwängen kann.

Und wenn es dann doch einmal zur Besiedelung gekommen sein sollte, wendet man sich sofort an professionelle Schädlingsbekämpfer, die zuverlässig für das Verschwinden der Nager sorgen werden. Den Profi sollte man auch konsultieren, wenn es darum geht, Maßnahmen zur Verhinderung der Wiederholung der Plage zu finden.

Kommen private Grundstückseigentümer ihrer Verpflichtung zur Schädlingsbekämpfung nicht nach, kann die Gemeinde kostenpflichtige Ersatzmaßnahmen durchführen. Sorgen Sie durch Ihr Verhalten und die Überwachung Ihrer Immobilien also für eine für Ratten unattraktive – nahrungsmittelfreie – Umgebung.

Wolfgang Kartheuser

Wolfgang Kartheuser


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